Reiseberichte

Ab in den Süden

Wer den Reisebericht von Woche 1 gelesen hat, der wird sich jetzt bestimmt fragen, ob wir denn nun wirklich weiter gekommen sind. So viel sei verraten: Der Vorsatz „Neue Woche, neues Glück“ hat geholfen.

Der Bericht der letzten Woche endete auf dem Stellplatz am Kombibad in Paffrath. Dort waren wir bis Montag Nachmittag. Dem eventuell mitlesenden Wohnmobilfahrer sei gesagt, dass es ein sehr ruhiger und schöner Platz ist. Leider funktionierte die Ver- und Entsorgung nicht. Am Sonntag haben wir Maureens Bruder und seine Familie besucht. Wir hatten einen sehr schönen und entspannten Tag, konnten direkt nochmal zwei Maschinen Wäsche waschen und wurden mit selbstgemachter Pizza verwöhnt. Was will man mehr :-). Den Montag haben wir genutzt um einen kurzen Abstecher in die Innenstadt von Köln zu machen. Wir brauchten noch ein paar Kleinigkeiten und da bot sich ein Besuch bei Globetrotter an. Da es mit einem 8,9m langen Wohnmobil keinen Spaß macht einen Parkplatz besuchen sind wir mit dem ÖPNV gefahren. Das ist zum einen für die Kinder mal was anderes und insgesamt deutlich entspannter und mit einer Familientageskarte auch günstiger. Am frühen Montag Nachmittag sind wir dann weiter gezogen. Dank einem Tipp aus der Familie (Danke Marjelle :-)) haben wir auf dem Weg gen Süden noch einen Windelwerksverkauf besucht. Windel kann man schließlich nie genug haben und im Doppelboden vom Wohnmobil fanden zum Glück noch zwei Kartons ihren Platz. Das sollte eine Weile reichen :D. Unser Lager haben wir dann am Ende des Tages auf dem Stellplatz in Sprendlingen aufgeschlagen. Hier konnten wir endlich nochmal unser Wasservorräte auffüllen und andere Dinge Entsorgen. Direkt am Stellplatz fließt ein kleiner Bach, damit waren dann auch die Kinder beschäftigt ;-).

Da insbesondere der Gemüse- und Obstvorrat zu wünschen übrig lies haben wir am Diensttag Vormittag einen Spaziergang zum örtlichen Supermarkt unternommen. Auch wenn es zu Beginn ein wenig Protest gab, so haben die Kids schlussendlich doch mitgeholfen die Einkäufe zurück zum Wohnmobil zu transportieren. Und wie das oft so ist, im Nachhinein fanden sie es sogar richtig gut und wollen es jetzt immer so machen. Eigentlich wäre der Stellplatz auch für eine weitere Übernachtung gut gewesen, aber da wir bzw. das Wohnmobil am Mittwoch einen Termin in einer Werkstatt in der Nähe von Speyer hatte, mussten wir zwangsläufig weiterfahren. Leider war an diesem Tag Silas so gar nicht begeistert vom Fahren. Das führt dazu, dass wir die ein oder andere Stunde auf Park- und Rastplätzen verbrachten. Gerade auf Parkplätzen ist das meist nicht sehr idyllisch. Mit viel Glück passt man mit dem Wohnmobil noch irgendwie zwischen die ganzen LKW und hat dann ein entsprechendes Ambiente. Manchmal ist es aber auch spannend die Abläufe der Fernfahrer zu beobachten. Mein Highlight bisher war ein Fahrer, der sein Messer an der Kanter der heruntergelassenen Scheibe geschärft hat. Irgendwann in der Dämmerung haben wir dann einen weiteren Versuch gewagt und es bis auf den Hof der Werkstatt geschafft und konnten den letzten freien Platz ergattern.

Am Mittwoch morgen mussten wir früh aufstehen und haben uns deshalb tatsächlich einen Wecker gestellt. Eigentlich ja etwas, was wir erstmal nicht mehr haben wollten. Aber die Werkstatt öffnet um 8 Uhr und da für das Wohnmobil eine komplette Unterbodenkonservierung und Hohlraumversiegelung auf dem Programm stand, konnte die Prozedur auch nicht später starten. Bepackt mit Essen, Trinken und sonstigem Kram für einen Tag sind wir dann losgezogen zur nächsten Bushaltestelle. Handy und mobilem Internet sei Dank ist es heute kein Problem mehr auch in einer fremden Stadt die passende Kombination aus Bus- und Bahnverbindungen zu finden. Und wir bereits in Köln galt auch hier: mit unter 10 Euro für eine Tageskarte ist das preislich nicht zu schlagen. Man verliert nur etwas Flexibilität und braucht ein wenig mehr Geduld. Nach 4 mal umsteigen hatten wir unser Ziel erreicht: das Technik Museum im Speyer. Nachdem wir im letzten Herbst bereits im zugehörigen Technik Museum in Sinsheim waren, waren wir gespannt auf neue Eindrücke. Die Halle mit alten Fahrzeugen war nicht so unser Ding, aber die auf dem Freigelände ausgestellten Exponate waren schon ziemlich cool. So haben wir unter anderem ein U-Boot, einen Seenotkreuzer und eine Boing 747 besichtigt. Und dann war da noch eine Antonov AN-22 und das Spaceshuttle Buran um die Highlights zu komplettieren. Ziemlich müde aber sehr zufrieden und glücklich waren wir dann am später Nachmittag zurück an der Werkstatt. Wir haben unser Wohnmobil wieder im Empfang genommen und nochmals auf dem Hof der Werkstatt übernachtet.

Der Donnerstag war wieder ein Fahrtag. Um die Etappe nicht allzu lang werden zu lassen, hatten wir uns einen altbewährten Stellplatz ausgesucht: am Friedhof in Hügelheim. Auf unserer ersten Wohnmobiltour war das der Platz für die erste „freie“ Übernachtung und auch auf dem Weg nach Hause im Sommer 2017 waren wir hier. Wenn man jetzt Friedhof liest mag das zunächst komisch klingen. Und tatsächlich handelt sich um einen Parkplatz vor einem kleinen Friedhof am Ende einer Wohnstraße. Direkt dort geht die Straße in einen Feldweg über und man ist direkt mitten in den Weinbergen. So haben wir nach der Ankunft das schöne Wetter direkt für einen Spaziergang genutzt. Im Weinberg waren Arbeiter unterwegs und haben irgendetwas an den Reben befestigt. Nachdem die Kids schon eifrig überlegt hatten, was es damit auf sich haben könnte, sind wir zu keiner zufriedenstellenden Antwort gelangt. Genau diese Tätigkeit kam im Bericht über den Weintraubenanbau bei der Sendung mit der Maus nicht vor ;-). Also haben wir den Weinbauer gefragt und die Erklärung erhalten. In den aufgehängten Behältern befindet sich ein Duftstoff, der die Mücken Männchen verwirren und somit von den Weibchen fernhalten soll. Damit soll verhindert werden, dass die Mücken Weibchen die Blüten der Reben zum Nisten benutzen. Wieder was gelernt!

Kommen wir zum Freitag. Um es vorweg zu nehmen (und wer uns in den Sozialen Netzwerken folgt weiß es eh schon): das war der Tag der Tage was das Fahren angeht. Wir sind zeitig aufgebrochen und haben auf dem Weg zur nahen Autobahn noch unsere Vorräte aufgefüllt. Außerdem haben wir noch ein großen Paket mit Winterjacken und anderen, als nicht benötigt eingestuften, Dingen zur Verwahrung an Oma & Opa geschickt. Dann ging es ab auf die Autobahn Richtung Schweiz. Die Grenze war schnell erreicht und am Grenzübergang bzw. Zoll haben wir nochmals gestoppt. Wenn das Wohnmobil nämlich schwerer als 3,5t ist, dann braucht man für die Schweiz keine Vignette. Stattdessen muss man die sogenannte Schwerverkehrsabgabe bezahlen. Die ist für die reine Durchreise im Vergleich zur Maut in vielen anderen Ländern günstig. Ungünstig ist es, wenn man in der Schweiz auf einem Campingplatz steht. Da wird die Abgabe nämlich auch fällig obwohl man gar nicht fährt. So zahlen wir den Mindestbetrag für 10 frei wählbare Tage in Höhe von umgerechnet 29,66€ und fahren weiter. Wie schon erwähnt ist Silas oft nicht einverstanden mit der Fahrerei und wir haben uns darauf eingestellt auch nach kurzer Zeit den nächsten Parkplatz anzusteuern. Aber heute ist kein Weinen von hinten zu vernehmen und so fahren wir weiter und weiter. Leider hatte ich im morgendlichen Einkaufstrubel vergessen nochmals den Tank zu füllen und so beschlich mich irgendwann das Gefühl, dass heute nicht Silas sondern eine leerer Tank der Grund für den nächsten Stopp sein würden. Und so sollte es kommen. Nachdem Gotthardtunnel wollte ich es nicht weiter ausreizen (auch wenn es ab da erstmal viel bergab geht) und habe den Rastplatz angesteuert. Hier war es merklich kühler als vor dem Gotthardtunnel und überall zeugte der letzte tauende Schnee vom Winter. Die Kinder, insbesondere Linus, haben sich mit der Schaufel bewaffnet erstmal daran ausgetobt. Genau das Richtige nach einer längeren Fahrstrecke. Als sich die nächste Schlafphase von Silas andeutete sind wir vorgerollt zur Tankstelle und ich habe zu einem horrenden Preis den Tank komplett gefüllt. Aber da es bisher so gut lief wollten wir so weit wie möglich kommen und nicht wieder von einem leeren Tank gestoppt werden. Und was soll ich sagen. Es lief einfach zu gut und wir haben es tatsächlich bis auf einen Stellplatz in die Nähe von Parma geschafft.

Da waren wir uns sicher, dass unsere erneute Planänderung aufgehen könnte. Denn der aufmerksame Leser wir sich vielleicht schon gefragt haben, warum wir denn durch die Schweiz nach Italien fahren, wenn wir doch nach Portugal wollen. Ganz einfach, weil wir einsehen mussten, dass die Strecke nach Portugal derzeit zu weit ist. Weiterhin brauchten wir alle erstmal einen Ort um Anzukommen und uns zu erholen. Daher fiel unsere Wahl auf Sardinien. Also, da waren wir nun in der Nähe von Parma. Bis zum Fährhafen in Livorno sind es ab da nur noch knapp 200 Kilometer und das sollte an einem Tag, auch wenn es schlecht läuft, machbar sein. Also zücke ich spät Abends das Handy, checke die drei in Frage kommenden Redereien und buche schließlich die Überfahrt für den nächsten Tag mit Grimaldi Lines. Habe ich schon mal erwähnt, dass das EU Datenrooming eine verdammt gute Sache ist?

Somit sind wir wieder bei Samstag angelangt. Wie bereits erwähnt lagen noch knapp 200 Kilometer bis zum Fährhafen vor uns. Diesen erreichten wir dann am späten Mittag. Bei unserem letzten Sardinien Urlaub sind wir mit einer anderen Rederei gefahren und so bin ich etwas verwundert, dass das Navi uns in einen komplett anderen Teil des Hafens geschickt hat. Es ist zwar alles für Grimaldi Lines ausgeschildert, ein passendes Schiff liegt auch dort, aber man kommt nicht wirklich auf das Gelände und auch sonst ist niemand zu sehen. Noch nicht einmal andere Wohnmobile oder Autos die vielleicht auch auf die Fähre wollen. Nach ein wenig Hin- und Herfahren parken wir vor einem Gebäude wo groß „Grimaldi Lines“ drauf steht. Dort ist aber alles verschlossen. Irgendwann findet sich dann doch jemand zum Fragen und wir erfahren, dass der Check-In erst um 18 Uhr beginnt. Wir sollten doch besser in die Stadt fahren, weil hier gäbe es nichts. Ja, das haben wir auch schon gemerkt. Von dem Gedanken mit dem Wohnmobil einen Parkplatz in der Stadt suchen zu müssen bin ich nicht begeistert. Ein paar Klicks in der App von https://park4night.com/ später bin ich zuversichtlich einen passenden Platz gefunden zu haben. Und tatsächlich ist der Parkplatz ein guter Treffer. Wir stehen nahe genug am Zentrum und zahlen läppische 40 Cent pro Stunde. Also bummeln wir ein wenig durch Livorno und versorgen Silas und Navina noch mit einer passenden Kopfbedeckung für sonnige Tage. Irgendwann knurrt uns allen der Magen und wir steuern die aus 2016 bekannte Pizzeria an. Google meint diese öffnet um 16 Uhr, aber auch um 16.30 Uhr ist dort alles noch zu. Also suchen wir uns eine andere Lokalität und essen erstmal lecker Pizza. Gegen 17:30 Uhr sind wir dann wieder im Hafen und siehe da, diesmal sind wir nicht allein. Jetzt sieht hier alles tatsächlich nach Check-In aus. Nach einer kurzen Wartezeit dürfen wir dann auf das eigentliche Hafengelände einfahren und werden in eine Reihe einsortiert. Die Fähre soll um 21:30 Uhr ablegen und wir sind gespannt, wann wir auf das Schiffen dürfen. Beim letzen Mal sind wir erst kurz vor dem Ablegen so ziemlich als letztes Fahrzeug dran gewesen. Diesmal läuft es besser und wir können deutlich vor der geplanten Abfahrtszeit auf die Fähre rollen. Auf der Fähre müssen wir das Wohnmobil verlassen und machen uns auf den Weg zu unserer Kabine. Gebucht haben wir eine Außenkabine mit 4 Betten, wobei zwei Betten Hochbetten sind. Die Fähre macht einen guten Eindruck und die Kabine ist klein, aber sauber. Während Maureen sich eine Dusche gönnt erkunden die Kids und ich das Schiff. Dann löst Maureen mich ab und auch ich komme zu einer erfrischenden Dusche. Rechtzeitig zum Ablegen sind wir dann wieder komplett an Deck um das Auslaufen gemeinsam zu erleben. Anschließend lassen wir uns nur noch in die Betten fallen.

Unglaublich, aber wir haben es tatsächlich geschafft und sind auf dem Weg nach Sardinien. Wie es für uns weitergeht, erfahrt ihr nächste Woche.

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