Reiseberichte

An der Costa Rei

In dieser Woche gibt es keine großen Überraschungen. Wir bleiben unserem Platz auf dem Camping Capo Ferrato treu. Was wir dort erleben lest ihr in diesem Blog.

Der Campingplatz veranstaltet in der Vor- und Nachsaison die sogenannten „Sardischen Wochen“. Hierbei handelt es sich um Aktivitäten die den Gästen typische Sardische Bräuche, Gerichte und andere Dinge nahe bringen. Die meisten Angebote sind sogar kostenlos. Als Erstes lassen wir uns erklären, was es mit der Sardischen Flagge auf sich hat. Die ist hier in allen Souvenirshops und auch oft am Straßenrand allgegenwärtig. Jetzt sind wir ein wenig schlauer und wissen, warum die vier Köpfe auf der Flagge mal nach links und mal nach rechts gucken.

Am Montag besuchen wir eine Oliven Plantage (http://www.santomas.org). Da die Organisatorin der festen Überzeugung ist, dass wir mit unserem Dickschiff dort nirgends parken können, und weil der Minibus auch schon voll ist, kommt Mr. Cimetti, der Olivenbauer, höchstpersönlich und ist unser Taxi. Super! Wir erfahren viel über den Anbau von Oliven und spazieren durch die hiesige Plantage. Ungefähr 3000 Olivenbäume unterschiedlicher Sorten stehen hier. Um eine möglichst hohe Qualität zu erhalten werden die Oliven hier noch per Hand gepflückt und nicht im industriellen Maßstab von einer Maschine vom Baum gerüttelt. Zwischen den vielen Olivenbäumen finden sich in einer Ecke auch zwei Zitronen- und Mandarinenbäume. Die Zitronen duften so unglaublich gut und wir dürfen uns ein paar pflücken. Diese werden wir in den nächsten Tagen verbrauchen und sind sehr begeistert von dem unglaublich guten Geschmack. So frische und so gute Zitronen haben wir noch nie gegessen! Die Mandarinen essen wir direkt vor Ort. Sie sind unbeschreiblich süß, als hätte man extra Zucker reingespritzt. Super lecker! Am Ende gibt es dann noch eine Olivenöl-Verkostung. Bisher haben wir Olivenöl nur in Salatsoßen oder anderen Gerichten gegessen. Es ist eine ganz neue Erfahrung dieses auch pur zu probieren. Neben Olivenöl kosten wir auch eine Olivenpaste. Und siehe da, selbst Maureen, die bisher eher kein Freund von puren Oliven war, ist begeistert. So verlassen wir die Plantage nicht ohne ein Glas von der leckeren Paste und einem kleinem Gebinde von dem köstlichen Olivenöl. Navina bekommt sogar noch eine kleine Flasche Olivenöl geschenkt. Am Nachmittag gibt es für uns Eltern dann eine kleine Premiere. Nach sehr, sehr langer Zeit schaffen wir es endlich nochmal gemeinsam Sport zu machen. Maureen konnte sich dazu schon an diversen Morgenden aufraffen, aber Christian brauchte da ein wenig mehr Motivation. Gemeinsam macht es aber Spaß und Silas ist ein geduldiger Zuschauer.

Am Dienstag Abend geht dann überraschenderweise die zweite Gasflasche leer. Überraschenderweise deshalb, weil die erste Flasche über zwei Wochen durchgehalten hat und das obwohl wir in dieser Zeit noch relativ viel heizen mussten. Seit wir auf Sardinien sind beschränkt sich die Gasnutzung nur auf den Betrieb des Kühlschranks, Kochen und ein wenig Warmwasser. Christian merkt es zum Glück noch bevor er ins Bett kommt und schließt Anton, so heißt unser Wohnmobil ;-), dann nach über 3 Wochen doch nochmal an die externe 230V Stromversorgung an. Kochen können wir so zwar nicht, aber zumindest Warmwasser und Kühlschrank laufen damit erstmal wieder.

Der Mittwoch ist für Linus der Wassersporttag schlechthin. Er hat mal wieder Glück und darf sich von Tine & Dennis das SUP Board (Stand Up Paddle Board) ausleihen. An dieser Stelle viele Grüße nach Kiel und nochmals herzlichen Dank für die mehrmalige Leihgabe! Linus paddelt überwiegend im Sitzen und ist mit seinem Kumpel Dario den ganzen Vormittag und Nachmittag auf dem Wasser. Das Meer ist hier an dieser Stelle am Strand sehr flach und wird nur sehr langsam tiefer. Und es hat kaum Wellen. Ideale Bedingungen also. Am Nachmittag darf dann auch Navina eine Runde mit ihm fahren und die Zwei haben viel Spaß. Derweil suchen die Eltern bei Google schon nach einem Surfshop :D. Da das Gas ja bekanntlich leer und der Hunger groß ist, spazieren wir am Abend in den Ort und bestellen vier Pizzen. Die kommt hier in den meisten Restaurants noch wirklich aus einem Steinofen der mit Holz befeuert wird. Mit Pizza bewaffnet gehen wir zum nahen Strand und lassen uns die Pizza dort schmecken. Das ist zum einen deutlich schöner als im Restaurant und mit drei Kids in der Regel auch entspannter ;-). Am Strand entlang spazieren wir zurück zum Campingplatz.

Und schon haben wir Donnerstag und immer noch ist das Gas leer. Das kann so natürlich nicht bleiben. Auch wenn Essen gehen eine willkommene Abwechslung ist, möchten wir doch gerne wieder selber kochen. Nach Auskunft der Campingplatz Betreiber soll es in Muravera eine Möglichkeit geben deutsche Gasflaschen wieder auffüllen zu lassen. Also machen wir uns am frühen Vormittag auf den Weg. Und da wir ein TomTom LKW Navigationsgerät haben, welches die Abmessungen von Anton kennt, vertraut Christian dessen Fähigkeiten. Das ist leider keine gute Idee. Wir finden uns irgendwann in ziemlich engen Straßen wieder. Wenden ist erstmal nicht möglich und die nächsten Abbiegeanweisungen lassen sich schlicht und ergreifend nicht umsetzen, weil es einfach nicht passt. Also erstmal der sehr engen, aber gerade noch passenden Straße folgen. Bis zu dem Punkt, an dem es wirklich nicht mehr weiter geht. Zum Glück bietet sich genau dort eine Wendemöglichkeit und wir kommen da ohne Blessuren wieder raus. Also suchen wir einen Anton tauglichen Parkplatz und werden schnell fündig. Jetzt heißt es die zwei Gasflaschen ca. 700m zu tragen. An der Zieladresse angekommen sieht es auch irgendwie nach Gashändler aus. Zumindest lassen das die Schilder und Plakate am Haus am Ende der Einfahrt vermuten. Das Tor ist jedoch verschlossen, auch wenn laut den Öffnungszeiten auf dem Schild geöffnet sein müsste. Aber was heißt das schon in Italien. Wir klingeln und Christian versucht unser Anliegen zu schildern. Er spricht mit verschiedenen Stimmen über die Gegensprechanlage, aber so richtig verstehen tut man ihn offenbar nicht. Dann ist die Sprechanlage aus. Da stehen wir nun mit unseren zwei leeren Gasflaschen und wissen nicht, ob jemand aufmacht oder nicht. Nach 4-5 Minuten wollen wir gerade gehen, als ein Herr kommt und das Tor aufschließt. In einem Mix aus Deutsch, Englisch, Italienisch und mit Händen und Füßen gibt er uns zu verstehen, dass wir die Gasflaschen stehen lassen sollen und in etwa einer Stunde wieder abholen könnten. Das macht Hoffnung. Wir nutzen die Zeit und fahren zu einem Supermarkt um unsere Vorräte aufzufüllen. Auf dem Weg überholt uns der Herr mit seinem Pickup, auf der Ladefläche liegen unsere zwei Gasflaschen. Wir sind gespannt. Zur Abholung nehmen wir dann (auf Drängen von Maureen) den Buggy mit, Sie ist der völlig unverständlichen Ansicht, dass Christian es nicht schafft 2 volle Gasflaschen mit einem Gesamtgewicht von über 35kg, die 700m zurück zum Wohnmobil zu tragen. Sind doch nur schlappe 22kg mehr als auf dem Hinweg, wo Christian ’nur‘ die leichte Aluflasche alleine und wir die schwerere Flasche gemeinsam getragen haben. Für 50€ haben wir aber nun wieder Gas, hurra! Das ist zwar teurer als Zuhause im Baumarkt, aber weit entfernt von den Preisen die wir so im Internet gefunden hatten. Aber ohne Gas wären wir auch ziemlich aufgeschmissen. Wer also in der Nähe von Muravera ist und Gas benötigt, der kann sich zu folgender Adresse begeben: Via Don Minzoni 2 in Muravera (GPS 39.418598, 9.579131). Aber bitte versucht nicht mit eurem Wohnmobil bis vor die Türe zu fahren! Ach ja, und wer mal sehen will wie eng es da ist, bitte schön https://goo.gl/maps/r3T9s4nvV3D2
Als wir am späten Nachmittag auf den Campingplatz zurückkehren, sind Dario und seine Familie, mit der wir in den letzten Tagen viel Zeit verbracht haben, leider abgereist. Umso mehr freuen wir uns, als wir auf dem Tisch einen Zettel mit einem Abschiedsgruß entdecken. Liebe Familie Häberling, vielen Dank für die nette Nachricht und die Kontaktdaten. Wir werden uns auf jeden Fall melden.

Auf dem Rückweg nehmen wir diesmal nicht die SS125var, welche mehr im Landesinneren verläuft und einer gut ausgebauten Bundesstraße entspricht, sondern folgen der alten SS125 die eher an der Küste entlang führt. Wir machen halt an der Spiaggia di Torre Salinas. Zunächst wandern und klettern wir zum Torre delle Saline. Leider konnten wir nicht herausfinden, ob dieser Turm eine historische Bedeutung hat oder wozu er früher mal genutzt wurde. Jetzt ist es ein Aussichtsturm und bietet einen tollen Rundumblick auf die Küste. Die Kids wollen noch an den Strand und da Anton eh auf dem Parkplatz direkt am Strand steht, ist dieser Wunsch schnell erfüllt. Es ist einer dieser Tage, an denen Linus und Navina ein Herz und eine Seele sind und so schön miteinander spielen. Das all das Sandspielzeug auf dem Campingplatz liegt stört nicht, es wird einfach mit den Händen gearbeitet. Wir sitzen mit Silas auf der Picknickdecke und erfreuen uns am Spiel der Beiden. Es ist so schön, wenn man realisiert, dass es eigentlich völlig ausreicht zu sein. Einfach den Moment zu genießen und zu sein. Genau das, was im Alltag so oft untergeht und was mit ein Grund ist, warum wir uns auf diese Reise begeben haben.

Den Donnerstag verbringen wir auf dem Campingplatz. Die Kinder sind mit ihren „Freunden“ voll ausgelastet. Insbesondere Navina ist mit ihrem Puppenwagen und dem Schleich Reiterhof der Anziehungspunkt für alle deutschsprachigen Mädchen. Da ja keine Schulferien sind, außer in der Schweiz, sind die meisten Mädels jünger als Navina. Das stört sie jedoch nicht im geringsten. Die Spielsachen werden vorbildlich geteilt und oft sieht man die Mädels mit ihren Puppenwagen, oder wahlweise mangels Puppenwagen mit dem eigenen Kinderwagen, wie eine Karawane über den Campingplatz ziehen. Wir machen derweil ein wenig Klarschiff in und um Anton. Als wir vor knapp vier Wochen aus dem Haus ausgezogen sind, haben wir am Ende einfach nur noch unsere verbliebenen Habseligkeiten in das Wohnmobil geräumt. Nach jetzt fast 4 Wochen hat sich aber schon gezeigt, dass wir einige Dinge einfach nicht brauchen und sinnlos durch die Gegend fahren. Außerdem steht Großwaschtag an, denn auch das Bettzeug will mal gewaschen werden. Nachdem wir in den letzten Tagen immer wieder überlegt haben, ob wir wirklich mehrere Wochen auf dem Camping Capo Ferrato bleiben wollen, haben wir heute beschlossen, dass wir morgen weiterziehen wollen. Auf der einen Seite bietet der Campingplatz ein gewisse Konstanz und die Kinder finden viel Anschluss, auch wenn die meisten Spielkameraden nur ein paar Tage bleiben. Aber es herrscht auch ein gewisser Trubel und wir wollen mal wieder ein paar Tage mehr Ruhe und vielleicht an der ein oder anderen Bucht frei übernachten. So packen wir nach dem Abendessen soweit es geht alles ein, damit wir am nächsten Tag startklar sind.

Auch wenn wir heute (Freitag) abreisen, wollen wir uns die heutige Aktivität der „Sardischen Wochen“ nicht entgehen lassen. Es steht eine Radtour in einen Orangengarten auf dem Programm. Die Radtour wäre ohnehin zu weit für die Kids (davon abgesehen das Maureen gar kein Fahrrad dabei hat) und deshalb wollen wir mit dem Wohnmobil dorthin fahren. Leider gibt es aber ein paar Regenschauer und deshalb wird der Ausflug abgesagt. Sehr schade, uns hätten die paar Tropfen nicht gestört. Schließlich zeigt das Thermometer trotzdem über 20°C an. Nun gut, wir machen uns also etwas früher als geplant auf den Weg. Wir wollen an die Chia Strände. Die sollen zu den besten Stränden Sardiniens zählen und liegen am Südwest Zipfel der Insel. In den Stagnos rund um die Hauptstadt Cagliari sehen wir unzählige Flamingos. Leider bietet sich keine Haltemöglichkeit um ein Foto zu machen. Bei der Mittagsrast äußert Maureen den Wunsch, nochmal irgendwo am Strand/Meer frei zu übernachten. Solche Plätze bieten mehr Ruhe als ein Stellplatz oder gar Campingplatz. Solche Plätze lassen sich sehr gut mit der Park4Night App finden. Schnell werden wir fündig und so parken wir 2m vom Meer entfernt. Was will man mehr. Der Rest des Tages ist leider zum vergessen. Die großen Kids sind, um es mal vorsichtig auszudrücken, total schräg drauf. Es wird viel gemotzt, die Lernzeit mit den Schulmaterialien will auch nicht wirklich klappen und so zieht es sich bis zum Abend. Wir ersparen euch Details, aber es gibt so Tage, da ist man froh wenn endlich alle schlafen. Heute war so ein Tag. Aber jetzt zum Fun-Fact beim Thema Freistehen: Maureen möchte unbedingt frei stehen, weil es mehr Ruhe bedeutet und nachts gruselt sie sich bei jedem Geräusch, weil sie glaubt jemand würde sich am Wohnmobil zu schaffen machen *lol*.

Nachdem ja zu Beginn schon „Neue Woche, neues Glück“ gut funktioniert hat, funktioniert jetzt auch „Neuer Tag, neues Glück“. Heute scheint wieder die Sonne und das tut uns allen gut. Die Kids packen ihre Forscherrucksäcke und machen eine Expedition an die nur 2m entfernte steinige Küste. Wir verbringen hier noch den Vormittag und auch wenn der Platz schön ist, wollen wir hier keine zweite Nacht stehen. Schließlich ist das Übernachten hier offiziell verboten. Das wird in der Vor- und Nachsaison wohl nicht so streng kontrolliert, aber man sollte es auch nicht ausreizen. Wir fahren nochmal einige Kilometer zurück um im Supermarkt einzukaufen und machen uns dann auf den Weg zu den Chia Stränden. Die sollen zu den schönsten Stränden Sardiniens zählen und wurden uns mehrfach empfohlen. Die Fahrt wird kurz vor dem Ziel spannend. In Chia ist eine große Sportveranstaltung und man wird am Ortseingang auf eine Umleitung geschickt. Die Straße ist mal wieder recht eng, vor allem weil die Bäume nah an der Straße stehen und die Äste tief hängen. In Kombination mit viel Gegenverkehr führt das zu ein paar neuen Kratzern an Anton. Zum Glück dürfen wir dann in einer ausreichend großen Lücke die Laufstrecke der Sportler überqueren und landen auf einem Parkplatz. Hier pausieren wir nochmals weil wir davon ausgehen, dass wir warten müssen bis die Veranstaltung vorbei ist. Nach einer kurzen Runde zu Fuß erkennen wir aber, dass man am anderen Ende vom Parkplatz wieder auf die Straße kommt und setzen die Fahrt erfolgreich fort. Der Stellplatz ist so nah am Strand, das man diesen in 5 Minuten zu Fuß erreicht. Wir parken Anton und unternehmen noch einen kurzen Spaziergang zum Strand und sind sofort begeistert. Der Strand ist sehr breit, hat super feinen hellen Sand und das Wasser ist kristallklar. Man hat uns nicht zu viel versprochen :-).

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