Reiseberichte

Die ersten Tage in Australien

Am 9. Juli ist es soweit. Wir verlassen Kuala Lumpur und tatsächlich den asiatischen Kontinent. Es weiß so gut wie keiner, wohin es für uns weiter geht. Selbst die Familie lassen wir weitestgehend darüber im Dunkeln. Das hat natürlich einen triftigen Grund. Meine Schwester Michèle, welche sich mit Ihrer Familie ebenfalls auf Weltreise befindet, haben wir nun seit fast 10 Monaten nicht mehr gesehen. Wie es der Zufall so will, haben wir aber Beide fast zur gleichen Zeit, einen Housesit im Großraum Melbourne ergattert. Wir wissen, dass Sie in der Zeit in Melbourne sein wird, aber sie glaubt, dass wir die nächsten Wochen auf Bali verbringen. Wie ihr euch jetzt denken könnt, möchten wir sie in Australien überraschen und sind unglaublich gespannt auf ihre Reaktion. Sämtliches um die Ecke fragen hat natürlich nicht funktioniert und so mussten wir Gerrit, Michèles Mann, dann doch einweihen um den genauen Aufenthaltsort der 5 heraus zu bekommen. Dazu aber später noch mehr. [09.07.18 – 13.07.18]

Flug mit AirAsia

Es ist also der 9. Juli und wir machen uns in aller Frühe auf zum Flughafen. Wir wollen mit AirAsia von Kuala Lumpur nach Melbourne fliegen. Die Aufregung ist sehr groß, denn wir wollten eigentlich gestern den Online Check-In nutzen, mussten da aber feststellen, dass die Fluggesellschaft uns tatsächlich 4 Sitzplätze über das ganze Flugzeug verteilt zugewiesen hat. Eine Änderung war online auch nicht mehr möglich. Wir waren fix uns alle und konnten uns die Reaktion der Kinder bildhaft vorstellen, wenn wir ihnen erzählen würden, dass sie fast 9 Stunden alleine neben fremden Leuten im Flugzeug sitzen sollten. Nach einiger Diskussion beschlossen wir das Thema erstmal Ruhen zu lassen und einfach möglichst früh zum Flughafen zu fahren, um das Thema vor Ort auszudiskutieren. Gesagt getan, wir starten um 6 Uhr mit einem Grab-Taxi Richtung Flughafen. Unser Fahrer hat zwar einen Bleifuß, fährt uns aber souverän zum Flughafen. Aufgrund seines Fahrstils sind wir jetzt noch ein wenig früher, als erwartet am Flughafen. Der gute Mann ist super freundlich und besorgt uns noch schnell einen Gepäckwagen, bevor er sich wieder auf den Weg in die Stadt macht. Sonst benutzen wir ja eigentlich nie die Gepäckwagen, weil wir sie oft lästiger, als hilfreich finden. Aber jetzt wo ich nicht in der Lage bin mehr als mich selber und meine Krücken zu tragen und der Rest wohl oder übel an Christian hängen bleibt, sind Gepäckwagen ein wahrer Segen. Mit gemischten Gefühlen machen wir uns nun auf zum Check-In Schalter. Wir sind dezent gereizt, was den Kindern irgendwie nicht entgangen ist …. also erklären wir ihnen doch kurz, was Sache ist. Linus ist sauer und Navina bricht fast in Tränen aus. Beide sind sich einig, sie fliegen nicht, wenn sie alleine sitzen müssen. Na super, manchmal wünscht man sich doch die Kinder würden nicht wie erwartet reagieren und stattdessen ganz souverän sagen ‚Kein Problem, ich kann euch doch eh sehen, so groß ist der Flieger ja nicht!‘. Na gut, Träume sind was schönes, aber es wäre doch eine tolle Überraschung gewesen. Wir beruhigen die Kinder, dass wir das schon hinbekommen, auch wenn wir da so unsere Zweifel dran haben. Endlich sind wir nach einer gefühlten Ewigkeit dran. Dem Mann am Schalter wird kurz die Situation erläutert und sogleich, wie aus der Pistole geschossen, kommt die Antwort. Das sind wir selber Schuld, wir haben ja keine aufpreispflichtigen Plätze reserviert. Damit müssen wir jetzt leben. Äääääääääääääh Moment mal, wir haben tatsächlich keine aufpreispflichtigen Sitzplätze reserviert, aber es kann doch trotzdem nicht sein, dass eine Fluggesellschaft eine Familie mit mehreren kleinen Kindern auf das ganze Flugzeug verteilt. Wir wollten weder in der ersten Reihe sitzen, noch Fensterplätze. Auch 2×2 Plätze wären für uns absolut akzeptabel gewesen, ABER 4 Plätze aufgeteilt in etwa wie folgt: 22D, 29F, 36A und 42K. Ich bin kurz davor ihn zu fragen, wer ihm denn da ins Hirn ge…. hat. Unsere Verzweiflung ist groß und so wollen wir doch noch den Aufpreis für eine Sitzplatzreservierung zahlen. Schließlich wollen wir keine weinenden Kinder mit an Board nehmen. Weit gefehlt, der Flug ist nahezu ausgebucht und es gibt tatsächlich (wir dachten beim Online Check-In es wäre ein Fehler) keine 4 Plätze mehr halbwegs zusammen. Inzwischen stehen wir bestimmt schon seit 15 Minuten am Schalter, aber eine Lösung ist nicht in Sicht. Der Airline Mitarbeiter ist inzwischen glaube ich ziemlich genervt von uns. Aber Christian bleibt standhaft und gibt ihm immer wieder zu verstehen, dass das ein Ding der Unmöglichkeit ist und er das nicht akzeptieren kann. Wir haben kleine Kinder dabei und sie können uns nicht komplett auseinander setzen. Nach weiteren 15 Minuten halten wir endlich unsere Boardkarten in der Hand. Der absolut genervte Airline Mitarbeiter hat uns versichert wir sitzen jetzt zusammen. Beim Blick auf die Boardkarten kommt die Ernüchterung. Nun sitzen wir zwar in 3 Reihen hintereinander, aber die Buchstaben-Vergabe lässt uns stark an zusammenhängenden Sitzplätzen zweifeln. Wir können die Situation aber jetzt nicht mehr ändern und versuchen halbwegs gelassen zum Flugzeug zu gehen. Die erste Aufmunterung für die Kinder kommt dann nach der ersten Sicherheitskontrolle. Der Flughafen ist gigantisch groß und so gibt es für beeinträchtigte Personen – ja, dazu zählen auch meine Krücken – einen Transfer bis zum nächsten Terminal mit einen Golfcar. Die Kinder sind schwer begeistert und ich heilfroh für diesen tollen Service, als ich sehe, was ich sonst für eine Strecke hätte laufen müssen. Im Flugzeug angekommen stellen wir – zur Freude der Kinder – fest, dass zumindest die 2 doch direkt nebeneinander sitzen. Beim Hinsetzen bemerke ich die nette alleinreisende Frau neben mir und so frage ich sie direkt ganz freundlich, ob sie vielleicht bereit wäre den Platz mit meinem Mann zu tauschen. Sie hat damit überhaupt kein Problem und so sitzen wir dann doch noch 2×2 und das direkt hintereinander. Eins haben wir aus diesem Erlebnis eindeutig gelernt, wir müssen noch viel entspannter werden und viel mehr Vertrauen bekommen. Wie sagte Oscar Wilde so schön: „Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende.“ Tja und was soll ich sagen, wir erreichen gerade unsere Reiseflughöhe, da kommt die Stewardess zu uns bzw. zu dem Mann neben uns. Wir sitzen hier im Flugzeug im Mittelblock, der eine dreier Bestuhlung hat. Sie spricht also mit dem Mann neben uns und fragt ihn, ob er sich nicht auf einen anderen Platz setzen möchte, damit wir mit dem Baby mehr Platz bekommen. Das ist für ihn überhaupt kein Problem und er zieht gerne um. Wie großartig ist das denn bitte?! Ein Reisetag, der so blöd begonnen hat, endet also damit, dass wir 5 zusammenhängende Plätze haben. Toll! Navina nutzt den Platz dann auch direkt mal für ein kleines 2-Stunden Nickerchen. Der Flug ist im weiteren Verlauf total entspannt und Silas schläft sogar gute 2,5 Stunden bei Christian in der Trage. Da Christian dafür die ganze Zeit im Gang stehen muss, vertreibt er sich die Zeit damit endlich noch mal seine Lieblings-Musik zu hören.

Australien, here we are

Um 20.10 Uhr Ortszeit landen wir dann tatsächlich auf dem roten Kontinent. Das hätten wir vor ein paar Wochen noch für unmöglich gehalten, dass wir dieses Jahr noch nach Australien kommen. Unglaublich was für Wege einem das Leben manchmal bereitet. Nach weiteren 1,5 Stunden halten wir endlich die Schlüssel für unseren Mietwagen in den Händen. Netterweise bekommen wir noch ein kleines Upgrade und dürfen für die nächsten knapp 6 Wochen einen Hyundai I30 inkl. eingebautem Navi (was für ein Segen) unser eigen nennen. Die Fahrt zu unserem Hotel erweist sich dann aber doch noch als Geduldsprobe für unsere Nerven. Denn Silas findet das Fahren im Kindersitz alles andere als lustig. Völlig ko fallen wir dann nur noch glücklich ins Bett.

Am nächsten Morgen muss erstmal etwas essbares her. Für uns völlig absurd, aber trotzdem wahr, gibt es hier ALDI. Und noch absurder, die Läden sehen von innen fast genauso aus wie in Deutschland. Selbst der Kassenbereich sieht genauso aus. Jedenfalls statten Christian und Navina besagtem ALDI erstmal einen Besuch ab, damit wir etwas zum Frühstücken haben. Mittags recherchiere ich ausgiebig, was man denn in Melbourne alles erleben kann. Krückentauglich muss es ja die nächsten Tage auch noch sein. In der Zwischenzeit erkundet Christian mit unseren 3 erst mal die Spielplätze in der unmittelbaren Umgebung. Die Recherche ist mehr als erfolgreich. In kurzer Fahrdistanz befindet sich ein künstlich angelegter Pier. Diesen haben freilebende Pinguine erobert. Besonders gut können diese kurz nach Sonnenuntergang beobachtet werden. Zu dieser Zeit kommen die Pinguine von der Jagd zurück. Wir sind beeindruckt von den ersten freilebenden Tieren, welche wir hier in Australien begutachten dürfen.

Den Mittwoch verbringen wir damit nach einer Jacke oder einem Overall für Silas zu suchen. Wir haben in seiner derzeitigen Größe lediglich eine Fleecejacke dabei und das erscheint uns angesichts der niedrigen Temperaturen als nicht ausreichend. Die Jacke muss allerdings noch ein paar Tage auf sich warten lassen, da wir nicht fündig werden. Abends dürfen wir dann noch den Feierabendverkehr einer Großstadt austesten. Fazit, ein Albtraum für uns Landeier. Würden wir in einer Großstadt leben, würden wir uns auf keinen Fall mit dem eigenen Auto durch die Stadt bewegen. Unser Ziel ist Sunbury, hier werden wir ab Freitag auf das Haus und die 2 Hunde von Adrian und Karolina aufpassen. Die 2 werden sich 5 Wochen lang Europa anschauen und haben uns für diese Zeit Ihr Haus anvertraut. Um uns gegenseitig kennenzulernen und uns schon mal das Haus zeigen zu können, haben sie uns zum Abendessen eingeladen. Was für eine nette Geste. Es wird ein super schöner Abend und wir freuen uns sehr auf die Zeit in Ihrem Haus.

An unserem erstmal letzten Tag in der City von Melbourne fahren wir dann mit der alten City Circle Tram, auch Linie 35 genannt. Die Linie fährt einmal im Kreis um die City herum. Später an diesem Tag finden wir heraus, man kann nicht nur mit dieser Linie völlig kostenfrei fahren, sondern mit ALLEN Straßenbahnen innerhalb des City Circle. Toller Service! Wir sind begeistert und werden diesen Service zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal nutzen. Aussteigen ist mit meinen Krücken keine wirkliche Option und so fahren wir tatsächlich nur einmal im Kreis und schauen uns die Stadt von der Straßenbahn aus an. Der Eindruck ist sehr positiv. Lediglich die Temperaturen sind nicht so unser Fall.

Freitag Morgen ist es dann so weit. Wir verlassen unser Hotel und machen uns mit Sack und Pack auf nach Sunbury zu unserem ersten Housesit. Dort treffen wir noch einmal kurz auf Adrian und Karolina, bevor sie sich auf den Weg zum Flughafen machen. Die nächsten Tage werden wir erstmal nur mit Zara, der Cocker Spanier Dame, verbringen. Der Border Collie Rüde, Hymie, wird sich erst am Dienstag zu uns gesellen. Hymie gehört nämlich nicht Adrian und Karolina, sondern Adrians Bruder, welcher gleich nebenan wohnt und ab Dienstag ebenfalls für 4,5 Wochen mit seiner Familie auf Reisen sein wird. Wir richten uns hier erstmal in Ruhe ein und starten nachmittags eine große Einkaufstour durch die lokalen Supermärkte. Natürlich ist auch hier wieder ein ALDI mit von der Partie. Und das aller Wichtigste: Passend zum Start unseres Housesits darf ich ab heute endlich versuchen wieder ohne Krücken zu laufen. Erstaunlicherweise fühlt sich das Knie sehr stabil an und so kann ich, wenn auch langsam, ab heute tatsächlich wieder ohne Krücken laufen. Auch Silas freut sich sehr darüber denn das heißt, dass ich Ihn endlich wieder tragen kann *juchhu*.

1 Kommentar Neues Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.