Reiseberichte

Unser erster Housesit in Sunbury

Wir leben uns im Housesit ein, bereiten eine große Überraschung ein feiern den ersten Geburtstag auf der Reise [13.07.18 – 28.07.18]

Die nächsten 9 Tage verlaufen seeeeehr, sehr ruhig. Wir richten uns wirklich erstmal häuslich ein. Gehen das ein oder andere Mal einkaufen. Besorgen uns noch ein paar wärmere Klamotten, denn es ist hier einfach richtig kalt. Die Einheimischen sagen es ist der kälteste Winter seit langem. Na großartig. Und auch die Beschreibung von Melbourne ‚Four seasons in one day‘ passt tatsächlich wie die Faust aufs Auge. Nichts desto trotz genießen wir die unzähligen Spaziergänge mit den Hunden. Das Beste an dem Ort sind wirklich die vielen Parks, welche alle fußläufig erreichbar sind. Die meisten Parks sind sogar miteinander verbunden, so kann man unglaublich lange Strecken durchs Grüne spazieren.

Die große Überraschung

Zurück zu unserer Überraschung. Es waren lange 14 Tage in denen wir – so gut es irgendwie ging – Funkstille zu allen gehalten haben. Denn die Gefahr, dass sich jemand verplappert und unsere Überraschung keine Überraschung wird, war uns einfach zu groß. Aus diesem Grund haben wir auch auf sämtlichen Social Media Plattformen in diesen knapp 14 Tagen nichts von uns hören lassen. Das war ganz schön schwer und des öfteren dachte ich: jetzt weiß sie es oder zumindest ahnt sie was. Zwischenzeitlich bekamen wir schon Nachrichten von besorgten Familienmitgliedern und Freunden, ob denn alles in Ordnung sei. Ja, es ist alles in absolut bester Ordnung bei uns. Es waren nur unglaublich lange 9,5 Monate in denen Michèle und ich uns nicht mal auf dem gleichen Kontinent aufgehalten haben. Dann waren es lange 11 Tage, in denen wir zwar im gleichen Land, aber trotzdem noch ziemlich weit von einander entfernt waren. Und schließlich waren es unfassbar zähe 2 Tage, in denen wir zwar schon im gleichen Stadtgebiet, aber trotzdem noch 1,5 Stunden von einander entfernt waren. Am Sonntag, den 22. Juli ist es dann nach ziemlich genau 10 Monaten soweit. Wir machen uns früh auf den Weg und fahren die 1,5 Stunden nach Ocean Groove. Zu unserem großen Glück sind heute nicht nur die Großen gute Autofahren, sondern auch Silas meistert die 1,5 Stunden sehr souverän und so stehen wir um kurz nach 10 Uhr vor der Tür. Wir sind alle sehr aufgeregt und ich habe schon mehrfach die ein oder andere Träne verdrückt, weil ich mich so unglaublich freue. Auf der Autofahrt wird lange und ausgiebig besprochen, was wir denn sagen wollen wenn sie uns die Tür öffnen. Wer klingelt, wer sich als erstes hinstellt, etc. Nach langer Überlegung beschließen wir uns erstmal alle zu verstecken und dann nur Silas in die Türöffnung zu halten. Genau so machen wir es dann auch. Wir müssen zwar öfter klingeln, bis die Lieben merken, dass es die Hausklingel und nicht das Telefon ist, welches läutet, aber schließlich hat Gerrit uns dann doch die Tür geöffnet. Michèle, welche Silas bislang ja nur von Fotos kannte, hat Silas zwar gesehen, aber dachte es wäre eine Nachbarin mit ihrem Kind die mal ‚Hallo‘ sagen möchte. Ich bin dann mit Silas durch die Tür und Sie sagte erstmal einfach ‚Hi‘. Im ersten Moment hat sie echt nicht geschnallt, WER da bei ihr im Wohnzimmer steht. Es hat eine gefühlte Ewigkeit (in Wirklichkeit waren es ein paar Sekunden) gedauert, bis sie realisiert hat, dass wir da tatsächlich bei Ihnen in Melbourne – am anderen Ende der Welt – in Ihrem Wohnzimmer stehen. O-Ton ‚Oh mein Gott, oh mein Gott, … (und dann an Gerrit gerichtet) Hast du das gewusst?‘. Ich kann gar nicht in Worte fassen, was für ein schöner Moment das war. Für die 4 großen Kinder war das alles sehr unspektakulär. Die haben sich einfach riesig gefreut sich wieder zu sehen, haben aber nach 2 Minuten schon wieder so gespielt, als hätten sie sich gestern das Letzte mal gesehen. So schön zu sehen. Bei uns Großen hat es ca. 10 Minuten länger gedauert, dann war es irgendwie als wären wir nie ‚getrennt‘ gewesen. Wir haben uns natürlich unglaublich viel zu erzählen und es ist einfach unbeschreiblich schön endlich wieder von Angesicht zu Angesicht miteinander zu sprechen. Und trotzdem ist es unfassbar normal in Australien, in einem fremden Haus den Tag mit der Familie Richlick zu verbringen. Abschließend lässt sich sagen: Unsere Überraschung ist absolut gelungen und die Freudentränen waren die Mühe der Funkstille absolut wert.

Happy Birthday

Es ist der 24. Juli und ich werde singend, mit Kuchen, Kerzen und Geschenken geweckt. Happy Birthday, it’s my Birthday, … :-). Wer hätte das vor wenigen Wochen gedacht. Ich feiere meinen 36. Geburtstag in Australien. Als ob das nicht schon toll genug wäre, feiern wir auch noch mit den Richlicks zusammen. Was für ein Geschenk. Christian hat mir einen roh-veganen Snickerskuchen gezaubert und das aller Geilste: eine MEGA leckere Gemüselasagne. Die war echt der Hammer. Den Tag verbringen wir ganz unspektakulär in unserer Unterkunft. Es ist ein ganz entspannter, wunderschöner Geburtstag am anderen Ende der Welt.

 

Ausflüge

Ausflugstag. Wir besuchen den Organ Pipes National Park. Es ist ein sehr überschaubarer Nationalpark. Er wurde vorwiegend zur Bewahrung der angestammten Flora und Fauna, sowie Erhaltung der geologischen Besonderheiten geschaffen. Die geologische Besonderheit sind die sechseckigen Basaltsäulen, die Organ Pipes, hierbei handelt es sich um altes vulkanisches Gestein, welches von einem Fluss über Jahrhunderte freigelegt wurde. Auf unserer Wanderung durch den Park sehen wir die ersten freilebenden Kängurus. Sie sind relativ weit weg und im Gestrüpp versteckt, aber wir sehen sie *juchhuuuu*. Den eigentlichen Wanderweg haben wir nach 30 Minuten abgelaufen. Da wir keine Lust haben den vorgegebenen Weg wieder zurück zu gehen, beschließen wir uns ins Abenteuer zu stürzen und nehmen kurzerhand den steilen Trampelpfad. Was für eine gute Entscheidung. Der Weg führt uns sehr steil den Berg hinauf, dafür werden wir mit einer tollen Aussicht über das Tal und den Park belohnt. Abseits der Wege ist es immer noch am Schönsten :-). Und so kommen wir mit dicken Matschklumpen unter den Schuhen glücklich wieder am Parkplatz an.

Neben vielen Spielplatzbesuchen und kleinen Ausflügen in die umliegenden Parks in Sunbury, beschließen wir uns auch noch den Woodlands Historic Park anzuschauen. Er bietet einen faszinierenden Einblick in die Landschaft und die Tierwelt, die die europäischen Siedler bei ihrer Ankunft in Australien vorgefunden haben. Im Park findet man tolle Bäume, Grasslandschaft und ein über 150 Jahre altes Gehöft. Wir verlassen gerade das Gehöft und sehen von weitem ganz viele Holzstümpfe und wundern uns darüber warum so viele Bäume abgeholzt wurden. Und dann passiert es, die Holzstümpfe bewegen sich … das sind doch nicht etwa … nein das kann nicht sein. Das wären ja viel zu viele. Aber könnte es nicht doch sein? Wir beschließen uns das Ganze näher anzuschauen. Und tatsächlich es handelt sich um eine riesengroße Kängurugruppe. Wir reden hier von mindestens 50 Tieren. UNGLAUBLICH! Wir haben ein wenig Respekt, vor allem vor den großen, männlichen Tieren. Sie sind wirklich groß und haben sehr ausgeprägte Muskeln. Ärgern möchte man die lieber nicht. Ganz nah gehen wir lieber nicht, sondern schauen uns die Tiere lieber aus ein wenig Distanz an. Es ist so schön diese tollen, lustigen Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum bewundern zu können. Jetzt scheint der Stein ins Rollen gekommen zu sein. Ab hier sehen wir alle paar Meter Kängurus, offensichtlich haben wir uns vorher einfach im falschen Teil des Parks aufgehalten. Da sie mitten auf unserem Weg liegen, haben wir keine andere Wahl, als mutig auf sie zuzugehen. Zum Glück beruht der Respekt auf Gegenseitigkeit, sobald wir uns den Tieren nähern, fliehen sie. Und das Tempo mit dem sie unterwegs sind ist beeindruckend :-). Wir begutachten die Tiere ausgiebig und beschließen irgendwann weiterzuziehen, da es ziemlich kalt ist. Auf dem Weg zum Auto machen wir aber natürlich den ein oder anderen Umweg über einen Baum, oder einen Felsen.

Samstags ist Markttag, daher treffen wir uns mit den Richlicks in Barwon Heads. Leider ist der Markt an diesem Tag sehr überschaubar, weil die eigentliche Markthalle wegen Renovierungsarbeiten geschlossen ist. Nach kurzer Begutachtung der wenigen Stände beschließen wir – wie immer – einen Spielplatz aufzusuchen. Nach kurzer Überlegung wird es der Piratenspielplatz im Barwon Heads Community Park. Ein super schöner Spielplatz mit Piratenschiff und allem, was das Kinderherz höher schlagen lässt. Okay, höher schlagen lassen sollte. Im Endeffekt vergnügen sich die Kinder dann doch die meiste Zeit in den umliegenden Kletterbäumen – die Natur hat einfach eine magische Anziehungskraft :-). Anschließend stärken wir uns bei den Richlicks mit einem leckeren Porridge, bevor wir zum Strand aufbrechen. Ich weiß nicht wie es euch geht, aber sobald ich das Meer sehe, überkommt mich eine große, innere Ruhe. Ich liebe das Meer und hier in Australien hat es ganz andere Farben, als in Europa oder der Karibik. Ein schöner Tag mit den Richlicks neigt sich dem Ende. Und so verabschieden wir uns mit dem Plan uns in der kommenden Woche erneut zu treffen.

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