Travel Vibes

Reiseabbruch im vermeintlichen Paradies?

Warum wir kurz davor waren Flüge nach Deutschland zu buchen und unsere Reise abzubrechen, oder zumindest zu unterbrechen

Die Euphorie ist groß als wir auf dem Flughafen im Süden von Bali landen. So viel haben wir über diese Insel gehört, gelesen, in YouTube Videos gesehen. Begeisterte Bali Anhänger berichten uns von toller Landschaft, einem Paradies für Veganer und mega günstig soll es auch noch sein. Die Aufregung dieses tolle Paradies endlich selber zu erleben ist groß. Die erste Ernüchterung kommt als wir das Flughafengelände verlassen. Alle, wirklich alle Straßen sind verstopft aufgrund des unglaublichen Verkehrsaufkommens. Gut, es ist die Gegend um den Flughafen und erstmal fahren wir dann durch Denpasar, also die Hauptstadt von Bali. Das ist deutlich mehr Verkehr als erwartet, aber okay ist nicht zu ändern. Hier wollen wir ja eh nicht bleiben.

Auf auf nach Ubud

Die Stadt der digitalen Nomaden, des Yoga und des ursprünglichen Bali. So wurde uns die Stadt angepriesen. Nach dem ersten Schock am Flughafen erhaschen wir zumindest ab und zu einen Blick auf tolle Reisfelder. Als wir schließlich in Ubud ankommen ist das Entsetzen groß. Noch mehr Roller, mindestens genauso viel Verkehr. Wie furchtbar. Es ist an jeder Ecke dreckig, überall liegt Müll, die Häuser verfallen an allen Ecken und Enden. Das sagenumwobene Ubud bleibt uns gänzlich verborgen.

Lebensmittelvergiftung

An Navinas Geburtstag ist es dann soweit, ich hole mir eine Lebensmittelvergiftung. Mit hohem Fieber und mächtigem Durchfall liege ich 2 Tage komplett flach. Auf einer Insel, die mir bislang so gar nicht gefällt. In einem kleinen Hotelzimmer, welches wir uns zu 5. teilen. Am gefühlten anderen Ende der Welt. Wer kennt es nicht, wenn man krank ist, möchte man in sein eigenes Bett, die Decke über den Kopf ziehen, niemanden hören und niemanden sehen. Eine Wunschvorstellung unter den gegebenen Umständen. Daran ist wahrlich nicht zu denken. Nun gut, auch das ging ja dann zum Glück wieder vorbei.

„Wow, was für ein großer LKW fährt denn da vorbei?“

Oder anders gesagt, unser erstes Erdbeben. Vor Naturkatastrophen ist man nirgendwo auf der Welt sicher, soviel ist uns bewusst. Dennoch mussten wir ja genau in die Gegend fliegen, in der vor kurzer Zeit viele Erdbeben zu verzeichnen waren und wo der Vulkan vor nicht allzu langer Zeit ausgebrochen ist. Was haben wir uns dabei nur gedacht? Das es am Pazifischen Feuerring immer wieder zu Erdbeben kommt, sollte uns doch aus dem Erdkundeunterricht bekannt gewesen sein. Erdkunde als Abi LK-Fach und trotzdem unterläuft mir ein so grober Fehler. Da kann ich mir doch nur an den Kopf fassen. Nach dem doch recht heftigen Erdbeben mitten in der Nacht ist der Spuk aber erstmal vorbei, wir können keine weiteren Beben feststellen und auch die inzwischen installierte Erdbeben-App schreibt „Alles ruhig!“.

Asien, Wok-Gerichte, Essen gehen

In Asien ist das Essen gehen günstiger, als selber zu kochen. Diese und ähnliche Aussagen haben wir immer wieder zu hören bekommen. Das können wir so nicht unterschreiben. Die Kosten für’s Essen gehen sind natürlich absolut nicht mit Deutschland zu vergleichen. Für den Preis, den wir hier für ein ganzes Essen zu viert bezahlen, würde man in Deutschland gerade mal – mit Glück – 2 Pizzen bekommen. Aber, wenn man zweimal täglich Essen gehen muss, weil man keine Küche hat, geht auch das schnell ins Geld. Vor allem, wenn es nicht ständig Fried Rice, oder Fried Noodles sein sollen. Denn eigentlich sind nur die 5 typisch Balinesischen Gerichte wirklich günstig. Nasi Goreng, Mie Goreng, Nasi Campur, Cap-Cay und Gado Gado. Vor allem die ersten Beiden hingen uns allen ziemlich schnell zum Hals heraus. Auch das ständige Suchen nach guten, günstigen Restaurants zehrt mächtig an den Nerven.

Weitere Krankheiten

Und dann ist es soweit, Silas und Navina bekommen hohes Fieber. Kranke Kinder kann niemand gebrauchen, kranke Kinder auf einer Reise noch weniger. Was aber für uns gar nicht geht sind kranke Kinder in den Tropen. Sofort kommen die Gedanken an Dengue Fieber, Malaria und Co. hoch. Malaria können wir eigentlich ausschließen, weil Bali kein Malaria-Gebiet ist. Dennoch ist die Sorge groß. Denn was ist mit den anderen Tropenkrankheiten?

Reiseabbruch?

Wir sind auf Bali und absolut unglücklich. Christian’s und meine Nerven liegen blank. Die Situation ist angespannt. Wir meckern mit den Kindern wegen Belanglosigkeiten und wenn Navina gerade mal kein Fieber hat, streiten die Kinder untereinander wegen jeder Kleinigkeit. Und mitten im Fieberschub kommt das wovor wir uns seit dem Anfang unserer Reise gefürchtet haben. Navina bricht in Tränen aus und sagt den Satz der Sätze: „Ich möchte zurück nach Deutschland“. Für uns war seit Anbeginn unserer Reise klar, wenn einer nicht mehr möchte, dann schauen wir woran es liegt. Findet sich keine Lösung geht es zurück. Wir reden lange und ausführlich über die Situation und müssen feststellen, so kann es für uns nicht weiter gehen. Eine Lösung findet sich erstmal nicht, aber wir suchen abends tatsächlich nach Flügen zurück nach Deutschland. Über mehrere Tage hinweg finden wir keine Lösung. Alle sind angespannt und genervt. Nachdem das Fieber bei unseren zwei Jüngsten endlich wieder weg ist, beschließen wir einstimmig: Komplett nach Deutschland wollen wir derzeit nicht. Kurzzeitig denken wir über eine Stippvisite in Deutschland nach, verwerfen den Gedanken aufgrund der vielen Flugstunden dann aber doch wieder. Wir würden uns zwar riesig freuen Familie und Freunde wieder zu sehen, aber das Wetter und eben der weite Weg anschließend wieder nach Australien halten uns eindeutig davon ab. Wir freuen uns alle viel zu sehr auf die Adventszeit mit den Richlicks in Australien und auf das große Wintercamp auf Koh Phangan, als das wir unsere Pläne dahingehend ändern würden. Aber wenn wir jetzt nach Deutschland fliegen würden wüssten wir nicht ob wir – nach so kurzer Zeit – die weite Strecke zurück nach Australien auf uns nehmen würden.

Die Alternativen

Es findet sich aber die perfekte Lösung für uns. Das glauben wir zumindest. Eine Asienflucht in Asien sozusagen. Die AIDA (Werbung wegen Namensnennung) bietet eine Tour von Dubai bis Singapur an. Genau zur richtigen Zeit, 2 Tage vor Abflug von Denpasar nach Brisbane wären wir in Singapur. Perfektes Timing, wir müssten also nicht mal unseren Flug von Bali nach Australien verfallen lassen. Wir würden tolle Länder sehen, aber hätten westlichen Standard, was die Sauberkeit und das Essen angeht. DAS IST ES, DAS MACHEN WIR! Leider haben wir die Rechnung ohne AIDA gemacht. Es gibt nur noch eine Hand voll Innenkabinen. Diese lassen sie uns leider nicht buchen. Das Boardmanifest besagt ein Baby muss im Babybett liegen. Da in die Innenkabinen kein Babybett rein passt, dürfen wir es nicht buchen. Da ist es auch egal, dass unser Baby darin eh niemals liegen würde, weil er es durch unsere Reise überhaupt nicht kennt alleine in einem Bett zu liegen. Mangels Babybett und damit mangels Alternative hat er IMMER zwischen uns geschlafen. Aber alles Reden nützt nichts, wir dürfen es nicht buchen. Die Enttäuschung ist riesig. Das wäre für uns die perfekte Lösung gewesen. Wir haben uns schon auf der AIDA gesehen. Die Kinder beim Basteln im Kidsclub, unsere glücklichen Gesichter am Buffet, ein sauberes Badezimmer und gut duftende Betten. Doch diese Traumblase hat AIDA leider zerplatzen lassen. Wir hadern eine ganze Weile mit dieser Enttäuschung. Schlussendlich muss jetzt aber für uns alle eine Lösung her. Manchmal im Leben ist es dann wohl doch so, Dinge müssen ausgehalten werden. Um die Zeit hier aber einfach auszuhalten bzw. zu ertragen ist uns unsere Zeit aber doch zu kostbar. Daher treffen wir eine Entscheidung: Wir sind dankbar für unsere Reise, wir sind Glücklich. Mit dieser Entscheidung ändert sich dann gefühlt ALLES. Von da an läuft es wieder und wenn etwas nicht passt, dann wird es von uns eben passend gemacht :-).

In diesem Sinne „Volle Fahrt voraus!“ 

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