Vorbereitung

Warum wir doch nicht in Nordamerika starten

Welche Reisepläne wir ursprünglich hatten und warum wir ein paar Monate vor dem Start diese Reisepläne nochmal über den Haufen geworfen haben und wie es weitergeht erfahrt Ihr in diesem Beitrag.

Der Plan

Nachdem die grundsätzliche Entscheidung zu einer Open-End Reise bzw. Weltreise gefallen war, haben wir überlegt wie und wohin wir eigentlich Reisen wollen. Relativ schnell waren wir uns einig, dass wir zunächst mit dem Wohnmobil reisen wollen. Zum einen weil wir dann, abhängig vom jeweiligen Land, auch mal freistehen können und zum anderen, um eine gewisse Konstante zu haben. Ein Leben auf Reise ist intensiv und durch viele neue Eindrücke geprägt. Aber gerade bei den Kindern haben wir den Eindruck, dass sie zwar auf der einen Seite sehr offen für Neues sind, auf der anderen Seite aber auch eine Konstante brauchen. Diese Konstante soll bei uns das Wohnmobil sein. Hier weiß man nach einer Weile wo welche Dinge sind, das Bett und die Kuschelsachen sind immer an Ort und Stelle und auch sonst haben wir für eine gewisse Zeit alles an Board, was wir zum Leben brauchen. Das erschien uns (und tut es immer noch) für unsere Bedürfnisse sinnvoller, als eine Reise von Unterkunft zu Unterkunft.

Nachdem also die Reiseform recht schnell geklärt war, ging es im nächsten Schritt um das Reiseziel. Jetzt mag man denken, dass man mit dem Wohnmobil auf Europa beschränkt sei, aber das ist mitnichten so. Es gibt die Möglichkeit das Wohnmobil auf sogenannten RoRo-Schiffen zu verschiffen. Auf diese Weise kann man mit dem eigenen Wohnmobil auch andere Kontinente bereisen. Inspiriert durch Expedition Hapiness und die Traumleben Familie auf der einen Seite und eigenen Urlauben in den USA auf der anderen Seite, haben wir uns irgendwann in den Kopf gesetzt, dass unsere Reise in Nordamerika, genauer gesagt in Kanada beginnen sollte. Neben der Englischen Sprache, der wir doch halbwegs mächtig sind, und positiven Erfahrungen aus vergangen Urlauben, schien das ein guter Einstieg zu sein. Man würde sich recht schnell zu Recht finden und hätte trotzdem den Sprung ins kalte Wasser. Weil wenn das Wohnmobil einmal verschifft ist und man in Amerika unterwegs ist, dann muss man sich da auch erstmal einmal durchbeißen. Auch wenn der Start in den neuen Reise-Familien-Alltag sicherlich nicht immer glatt laufen wird. Der ursprüngliche Plan sah also vor in Kanada zu starten, dann die USA und Mexiko zu bereisen um anschließend grob der Panamericana weiter Richtung Mittelamerika zu folgen.

Warum wir uns dagegen entschieden haben

Anfang 2018 haben wir uns dann intensiver mit den notwendigen Schritten beschäftigt. Die Verschiffung an sich ist relativ unkompliziert. Im Grunde bringt man das Wohnmobil zum Hafen in Hamburg oder Antwerpen und kann es dann ca. 3 Wochen später im Hafen von Halifax in Kanada oder Baltimore in den USA wieder abholen. Man selber kann in der Regel auf diesen Schiffen nicht mitreisen und muss entsprechende Flüge buchen. Wer sich für die Verschiffung von Wohnmobilen interessiert, der sollte die Webseite von SeaBridge besuchen.

Erster Knackpunkt bei der Reise mit dem eigenen Wohnmobil in Nordamerika (also USA und Kanada) ist die notwendige KFZ Versicherung. Die deutsche bzw. europäische KFZ Versicherung greift dort nicht und man braucht eine Versicherung vor Ort. Dies war in der Vergangenheit wohl einfacher, aber mittlerweile bieten viele US Versicherungen diese Möglichkeit nicht mehr an. Somit ist die Auswahl auf 1-2 Versicherungen beschränkt und die Kosten sind im Vergleich zu einer deutschen KFZ Versicherung deutlich höher. Finanzielle wäre es also schon ein kleines Loch in der Reisekasse gewesen, aber das wäre verschmerzbar, wird doch die Versicherung ab Mexiko deutlich günstiger.

Kommen wir also zum eigentlichen Knackpunkt: dem notwendigen Visum für die USA. Für einen normalen Urlaub in den USA reicht die sogenannte ESTA-Genehmigung. Diese kann man online beantragen und man erhält diese gegen die Preisgabe einiger persönlicher Daten in der Regel unkompliziert. Damit ist ein Aufenthalt in den USA aber nur für maximal 90 Tage möglich. Und da Kanada und Mexiko in diesem Fall nicht als echte Ausreise zählen, ist das für unser Vorhaben keine Option. Wenn man die Kosten für die Verschiffung, Flug usw. vor Augen hat, dann will man auch möglichst viel von den USA sehen. Insbesondere diverse National Parks stehen auf der Bucketlist und die Entfernungen sind auch nicht zu unterschätzen. Langer Rede, kurzer Sinn: Es muss ein sogenanntes B2 Touristen Visum her. Für dieses Visum müssen natürlich auch eine ganze Menge persönlicher Daten preisgegeben werden, der Antrag kostet einiges und man muss zu einem „Interview“ in die Botschaft oder ein Konsulat. Bei der Recherche dazu sind wir auf viele Fälle gestoßen, in den das Visum nicht erteilt wurde. Häufig wird wohl unterstellt, dass man beabsichtigen würde in die USA einzuwandern. Ein guter Grund der dagegen spricht ist Eigentum in Form von Immobilien in seinem Heimatland. Blöd nur, dass wir unser Haus ja verkauft haben. Zwar könnten wir eine gewisse finanzielle Sicherheit nachweisen, aber ob das alles dann schlussendlich akzeptiert wird ist fraglich. Weiterhin kommt hinzu, dass wir für unser drittes Kind, welches irgendwann im Februar geboren wird, auch einen vollwertigen Reisepass bräuchten, um überhaupt ein Visum beantragen zu können. Fazit: es wäre zeitlich sehr knapp und stressig geworden und die Wahrscheinlichkeit, dass das Visum abgelehnt wird erschien uns doch zu hoch. Im schlimmsten Fall wäre das Wohnmobil schon auf dem Schiff und wir ohne Visum. Dann bliebe nur eine Reise durch Kanada und von dort eine Verschiffung zurück oder evtl. nach Mittelamerika.

Diese Erkenntnis musste sacken und hat uns erstmal ordentlich aus der Bahn geworfen. Nach ein paar Tagen und einige Gesprächen stand aber fest, dass wir dieses Risiko im ersten Schritt nicht eingehen wollen. Natürlich wollen wir neue Länder, Kulturen und Natur entdecken, aber auch in Europa gibt es noch viel zu entdecken. Da haben wir bisher auch nur einen Bruchteil gesehen. Und viel schwerwiegender war der Aspekt, dass wir ja nicht nur um der Reise Willen reisen wollen. Wir wollen auch aussteigen, aussteigen aus dem Hamsterrad und dem Alltag. Wir wollen den Kopf und die Gedanken frei bekommen, als Familie enger zusammenwachsen und die Freiheit spüren. Das mag für den ein oder anderen geschwollen klingen,  aber das sind unsere tiefen Beweggründe für dieses große Abenteuer. Und dafür ist es schlussendlich fast egal, ob man nun in Amerika oder in Europa unterwegs ist.

Der neue Plan

Wir starten am 31.03. Da die Temperaturen dann noch nicht so ganz unseren Vorstellungen entsprechen, wollen wir zunächst nach Portugal. Wie schnell, das wird sich zeigen und ist abhängig davon, wie sich so der Alltag auf der Reise entwickelt. Aber das ist ja der Vorteil davon, dass man „frei“ ist. Wenn es uns schon in Frankreich, Spanien oder sonst irgendwo auf dem Weg gefällt, dann bleiben wir halt dort.

Ziemlich fest gesetzt ist Schweden im Sommer. Nicht nur weil wir schon immer mal nach Schweden wollten, sondern auch weil zwei sehr liebe Familien zu dieser Zeit auch dort sind und die Kinder und auch wir uns schon jetzt so sehr auf ein Wiedersehen freuen.

Auch ziemlich sicher ist, dass es uns im Winter 2018/2019 ohne Wohnmobil in die Tropen, voraussichtlich nach Thailand ziehen wird. Es gibt viele Reisefamilien die sich dort in einem Wintercamp treffen und das ist für uns die Möglichkeit viele Gleichgesinnte zu treffen und sich auszutauschen.

So der Plan 😉

Hi, ich bin Christian. Ehemann der besten Frau der Welt, Papa von drei wundervollen Kindern und derzeit mit der Familie auf der Reise. Außerdem Fahrer, Koch und Nerd ;-)

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